Historische Karte von 1888

 

 

 

 

Die Parkanlage umfasst den größten Teil des aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammenden, noch weitgehend erhaltenen Landschaftsparks mit dem unter Denkmalschutz stehenden Schloss, der auf die Bremer Reeder- und Kaufmannsfamilie Wätjen zurückgeht. Der Park hatte seine größte Ausdehnung um 1890 mit ca. 50 ha Fläche, die mit dem fortschreitenden Wachstum der Bremer-Vulkan-Werft erheblich verkleinert wurde.
Das erste Grundstück in Blumenthal hatte Diedrich Heinrich Wätjen 1830 zwischen der heutigen Landrat-Christians-Straße und der Weser erworben und dort ein schlichtes Landhaus im klassizistischen Stil errichtet. Der Entwurf für den Park stammte von Isaak Albert Hermann Altmann, dem Schöpfer der Bremer Wallanlagen, der mit dem Park dem Vorbild des englischen Landschaftsparks nacheiferte.

Christian Heinrich Wätjen, 1813 - 1887, Gemälde im Familienbesitz1858 wurde durch den Bremer Architekten Heinrich Müller für Christian Heinrich Wätjen, den Sohn des Gründers der Reederei D. H. Wätjen & Co, ein schlossartiger Sommersitz im neugotischen Tudorstil erbaut. Wätjen erweiterte die Parkanlage und gestaltete sie auf der Grundlage des Altmann-Plans in großzügiger Weise. Auch beim Bau des Landhauses orientierte man sich an englischen Vorbildern, die Bauherr und Architekt in England ausgiebig studiert hatten. Für die Parkerweiterung erhielt er von der Blumenthaler reformierten Kirche Land; im Gegenzug finanzierte er die neue Kirche.
Der Gartenhistoriker Gustav Brandes nennt in seinem Buch „Aus den Gärten einer alten Hansestadt“ das Wätjensche Gut in einem Atemzug mit dem Landsitz des Baron Knoop in Bremen-St. Magnus. Beide seien ein „Spiegelbild der großartigen Wirksamkeit einzelner erfolgreicher Männer der bremischen Wirtschaft im 19. Jahrhundert und zugleich bezeichnend für das baukünstlerische Wollen der Zeit.


Schlossansicht vor dem 1. WeltkriegDer neue Landsitz wurde näher an der Weser errichtet, er erhielt ein "schloßartiges Gepräge in malerischer Gruppierung mit Staffelgiebeln und zwei miteinander verbundenen achteckigen Türmen". Brandes: "Unter den in jener Zeit in verwandtem Geist entstandenen Landhäusern steht das Wätjen'sche, das nach langer Bauzeit 1864 vollendet wurde, zweifellos an erster Stelle."
Für die Parkgestaltung verwendete Christian Wätjen viele ungewöhnliche Gehölze, die er sich zum Teil aus Übersee besorgen ließ. Für seinen Sohn errichtete er in dem Erweiterungsteil des Parks ein Wohnhaus im damals beliebten Schweizerhausstil. Ein weiteres Landhaus, die Villa Magdalena, hatte Christian Heinrich Wätjen für seine älteste Tochter errichten lassen. Der Park enthielt neben den genannten Gebäuden auch viele Schmuckelemente; die durch verschlungene Wege miteinander verbunden waren. Dazu gehört ein spätklassizistischer Gartentempel, der als Gedächtnismonument für den Firmengründer D. H. Wätjen und seinen Sohn Christian erbaut worden war und ein gusseiserner Brunnen, die heute noch original erhalten sind.


Mit Beginn des Krieges hatte das Familienunternehmen seine wichtigen Auslandsbesitzungen und große Teile der Reedereiflotte eingebüßt. Weiteres Vermögen wurde durch Erbteilungen abgezogen, so dass die Familie sich gezwungen sah, die Besitzungen in Blumenthal aufzugeben. 1916 wurde die Parkanlage zwischen dem Bremer Vulkan und der Bremer Wollkämmerei als mögliche Erweiterungsfläche für die jeweiligen Betriebe aufgeteilt. Auch gab es in den 70er Jahren schon konkrete Pläne, die Parkflächen für eine Wohnbebauung mit Hochhäusern zu nutzen; das Vorhaben scheiterte dann an den neu aufgekommenen Immissionsbestimmungen.


Die Anlagen sind in den folgenden Jahren dann kaum noch gepflegt und durchforstet worden. Dadurch waren viele Altbäume in sehr schlechtem Zustand und viele Wege so überwachsen, dass sie kaum noch wahrgenommen werden konnten. Darüber hinaus waren waren durch unsachgemäße Nutzung von Flächen und Gebäuden erhebliche Schäden entstanden.

Abriss des Schweizerhauses (1987)Nachdem die Villa Magdalena in den 70er Jahren dem Neubau des Verwaltungsgebäudes der Bremer Vulkanwerft weichen musste, folgte 1987 zur Empörung der Blumenthaler Bevölkerung der Abriss des Schweizerhauses.
Obwohl die örtliche Politik schon häufig den Wunsch geäußert hatte, einen Zugang zum Park und an die Weser für die Öffentlichkeit herzustellen, ist ein Erwerb der Parkanlage durch die Stadtgemeinde Bremen lange nicht zustande gekommen. In den 80er Jahren gab es im Zusammenhang mit dem Bau eines Schöpfwerks an der Blumenthaler Aue konkrete Versuche des Beirates Blumenthal, wenigstens eine Öffnung des Parks für die Allgemeinheit mit einem Zugang zur Weser zu erreichen. Obwohl sich der damalige Bausenator Meyer dafür einsetzte, scheiterte der Versuch an der Ablehnung durch die Bremer Wollkämmerei.


Situation nach dem Konkurs der Bremer Vulkan Werft


Nach dem Konkurs des Vulkan zeigte sich die Notwendigkeit, das künftige Gewerbegebiet an die Autobahn anzubinden und das gesamte Werftgelände neu zu ordnen, um hier ein modernes Gewerbegebiet zu entwickeln. Damit ergaben sich unerwartete neue Möglichkeiten zur Erhaltung des Parks.
Der Bau der Gewerbeerschließung am Rande des Parks verursachte einen Eingriff in Natur und Landschaft mit erheblichen Auswirkungen auf Pflanzen, Tiere und das Landschaftsbild, der in der Konsequenz zu Ausgleichsforderungen nach dem Naturschutzgesetz führte.
Durch die Lage der Trasse in einem Randbereich des Parks ging ein Teil des alten Baumbestandes verloren. Um nicht einen noch größeren Verlust an Altbäumen hinnehmen zu müssen, war man gezwungen, Gewerbeerschließung unmittelbar neben der Blumenthaler Aue zu führen, wobei jedoch ein wichtiges Amphibienbiotop teilweise verloren ging.
Neben dem Vegetationsverlust und der Beeinträchtigung von Lebensräumen für Amphibien, Vögel, Kleinsäuger und Fledermäuse stellte vor allem die Beeinträchtigung des Landschaftserlebens für den Menschen durch die Überbauung der Geestkante einen erheblichen Eingriff dar.


 

Die Verluste aufgrund der Eingriffe in Natur und Landschaftwaren nach dem Baugesetzbuch durch Festsetzungen nach §9 BauGB auszugleichen. Daher setzt der Bebauungsplan 1240 gemäß der Bremischen Handlungsanleitung und dem Landschaftspflegerischen Begleitplan (Büro Müller-Glaßl) zur Minderung, zum Ausgleich oder Ersatz Maßnahmen fest, die unter anderem

 

  • Obststreuwieseeine Neuanpflanzung von Bäumen
  • die Entsiegelung großer Bereiche
  • die Herstellung neuer Geesthangbereiche
  • das Freihalten bestimmter Sichtachsen
  • die Anpflanzung von Obstbäumen und Sträuchern
  • die Anlage von Wiesen und Ruderalflächen
  • die Anlage von Teichen mit Röhrichtzonen
  • die Anlage von Einrichtungen für Amphibien und Fledermäusen
    zum Inhalt hat.


Ausgleich der kulturhistorischen Verluste im Park
Die Anwendung der bremischen Handlungsanleitung gewährt zwar das notwendige Maß des ökologischen Ausgleichs, sie kann aber nicht den ebenfalls durch den Eingriff in eine historische Parkanlage verursachten Verlust an kulturhistorischen Werten mit ausgleichen, noch viel weniger können die Ausgleichsmaßnahmen den über Jahrzehnte fortgeschrittenen Verfall der kulturhistorisch wertvollen Elemente des Parks auch nur annähernd wieder rückgängig machen. Es bleibt also trotz der über den Bebauungsplan bestimmten ökologischen Kompensation immer noch ein erhebliches Defizit in Bezug auf die kulturhistorischen Werte des Parks.

Das neue Blumenthaler Tor Durch den Straßenbau war auch ein ursprünglich dort vorhandenes Parktor entfernt worden. So bot es sich an,am neuen Kreuzungspunkt der Straße ein neues Tor zu errichten, das sich im Stil am noch erhaltenen Tor der Villa Magdalena orientiert. An dieser Stelle beginnt auch der Radweg durch den Park der historische Wegestrecken mit benutzt.

 

 

 

Der RoseliusgartenNeben dem weitgehend erhaltenen Schloss Wätjen enthält der Park weitere Gestaltungselemente, die noch im Original vorhanden sind, aber erst noch freigelegt und nach alten Plänen wiederhergestellt werden müssen. Bei dem 1917 von Gartenarchitekten Roselius geschaffenen Gartenteil ist dies schon gelungen. Weitere Wege und Gartenpartien warten noch auf ihre Wiederherstelliung.

 

Neuer Parkteil im Osten auf der GeestkanteDie Ausgleichsmaßnahmen und die Rekonstruktion von Parkteilen erforderte den Erwerb von weiteren bisher noch nicht angekauften Flächen, die aus der Konkursmasse des Bremer Vulkan zunächst in private Hand geraten waren. Der Ankauf der Parkfläche ist zwar gelungen, jedoch konnten die Gebäude im Park wie auch das Schloss nicht mit erworben werden und verblieben mit entsprechenden Grundstücksteilen im Privatbesitz. Damit sind natürlich Konflikte vorhersehbar.

Es war ein ausgesprochener Glücksfall, die erfolgreich eingeleiteten Ausgleichsmaßnahmen, die aus bremischen Finanzmitteln zur Gewerbeansiedlung bestritten wurden, durch Maßnahmen zur Wiederherstellung von Teilen der kulturell wertvollen Elemente des Parks ergänzen zu können. Hier konnte die "Stiftung Wohnliche Stadt" mit Finanzmitteln helfen. Somit stehen die begonnenen Maßnahmen in einem Zusammenhang und können heute einen Eindruck aus der Entstehungszeit des alten Parks vermitteln.